Kurz gesagt: Hämorrhoiden sind Gefäßpolster im Analkanal, die jeder Mensch hat. Beschwerden entstehen erst, wenn sie sich vergrößern – das nennt man Hämorrhoidalleiden. Typisch sind hellrote, schmerzlose Blutungen, Juckreiz, Nässen und ein Fremdkörpergefühl. In den meisten Fällen lässt sich das ohne Operation behandeln. Eine Blutung gehört trotzdem untersucht – auch dann, wenn bei Ihnen Hämorrhoiden schon bekannt sind.
Was Hämorrhoiden eigentlich sind
Hämorrhoiden sind kein Krankheitszeichen, sondern ein normaler Teil Ihres Körpers: ein gut durchblutetes Gefäßpolster, das ringförmig im oberen Abschnitt des Analkanals liegt, am Übergang zum Enddarm. Zusammen mit dem Schließmuskel sorgt es dafür, dass der Darm sicher dicht hält – auch für Luft und Flüssigkeit.
Erst wenn sich dieses Polster vergrößert und nach unten verlagert, entstehen Beschwerden. Ärztlich heißt das Hämorrhoidalleiden. Im Alltag sagen die meisten Menschen einfach Hämorrhoiden, wenn sie die Beschwerden meinen.
Das ist häufig, und viele Betroffene sprechen nie darüber. Sie müssen sich dafür nicht schämen – und Sie sind mit dem Thema in einer proktologischen Sprechstunde ganz sicher nicht der ungewöhnlichste Fall des Tages.
- Enddarm
- Gefäßpolster (Hämorrhoiden)
- Grenze: darüber keine Schmerzfasern
- Analhaut: schmerzempfindlich
- Innerer Schließmuskel
- Äußerer Schließmuskel
Warum sich das Polster vergrößert
Gesichert ist dazu erstaunlich wenig. Die deutsche Fachleitlinie hält ausdrücklich fest, dass die Datenlage dünn und teilweise widersprüchlich ist. Diskutiert werden anhaltendes Pressen, harter Stuhl, chronische Verstopfung ebenso wie chronischer Durchfall, eine Bindegewebsschwäche, erhöhter Druck im Bauchraum, Übergewicht sowie Schwangerschaft und Geburt.
Etwas besser belegt ist ein anderer Zusammenhang: Bei vielen Betroffenen ist der innere Schließmuskel stärker angespannt als normal oder entspannt sich beim Stuhlgang nicht richtig. Das Blut fließt dann schlechter aus dem Polster ab, der Druck darin steigt. Diesen Muskel können Sie nicht willentlich steuern. Das erklärt, warum kräftiges Pressen die Sache verschlimmert – und warum die wirksamsten Maßnahmen beim Stuhlgang ansetzen.
Woran Sie es merken
Wie stark die Beschwerden sind, hängt nicht zuverlässig davon ab, wie groß die Hämorrhoiden sind.
- Hellrote Blutung. Das häufigste erste Zeichen. Blut am Toilettenpapier, Tropfen in der Schüssel, manchmal Auflagerungen auf dem Stuhl. Typischerweise schmerzlos.
- Juckreiz und Nässen. Feuchtigkeit reizt die empfindliche Haut am After, es entsteht ein Kreislauf aus Jucken, Kratzen und weiterer Reizung.
- Stuhlschmieren. Kleine Verunreinigungen in der Wäsche, weil der Analkanal nicht mehr vollständig abdichtet.
- Fremdkörpergefühl. Das Gefühl, dass etwas nicht ganz raus ist oder der Darm nicht vollständig entleert wurde.
- Vorfall. Fortgeschrittene Hämorrhoiden treten beim Stuhlgang nach außen und ziehen sich von selbst oder erst nach dem Zurückschieben wieder zurück.
Was typischerweise nicht dazugehört: Schmerzen. Das Polster liegt oberhalb der Zone, ab der der Analkanal schmerzempfindlich ist. Wenn es deutlich weh tut, steckt meist etwas anderes dahinter – eine Analfissur (ein Einriss der Analhaut), eine Analvenenthrombose (ein Blutgerinnsel in einer Vene am Afterrand) oder ein Abszess. Eine Ausnahme gibt es: Wenn vorgefallenes Hämorrhoidalgewebe einklemmt und anschwillt, ist auch das sehr schmerzhaft.
Weiche Hautfalten außen am After, die weder bluten noch schmerzen, sind meist keine Hämorrhoiden, sondern Marisken.
Die vier Grade
In der Sprechstunde hören Sie oft einen Grad. Er beschreibt, wie weit sich das Gewebe nach unten verlagert hat – festgestellt wird er bei der Untersuchung, nicht nach Gefühl.
- Grad 1 – Das Polster ist vergrößert, bleibt aber innen. Von außen ist nichts zu sehen oder zu tasten; erkennbar ist es nur bei der Spiegelung des Analkanals.
- Grad 2 – Beim Pressen tritt Gewebe nach außen und zieht sich anschließend von selbst wieder zurück.
- Grad 3 – Das Gewebe tritt nach außen und geht erst zurück, wenn Sie es mit dem Finger zurückschieben.
- Grad 4 – Das Gewebe liegt dauerhaft außen und lässt sich nicht mehr zurückschieben.
Grad 1
Polster vergrößert, bleibt innen
Grad 2
Tritt beim Pressen heraus, geht von selbst zurück
Grad 3
Tritt heraus, muss zurückgeschoben werden
Grad 4
Liegt dauerhaft außen
Der Grad allein entscheidet nicht über die Behandlung. Untersuchungen zeigen, dass sich vom Grad nicht auf die Beschwerden schließen lässt: Ein kleiner Befund kann stark bluten, ein großer kaum stören. Wie behandelt wird, richtet sich deshalb nach dem Befund und danach, was Sie tatsächlich beeinträchtigt.
Die entscheidende Einordnung: Blut ist ein Symptom, keine Diagnose
Hellrotes Blut am After stammt sehr oft aus Hämorrhoiden. Aber dieselbe Beobachtung kann auch von einer Fissur, einer Entzündung, Polypen oder – seltener, aber entscheidend – von einem Tumor kommen. Zu Hause lässt sich das nicht sicher unterscheiden.
Und eine bekannte Diagnose schützt Sie nicht davor, jetzt aus einem anderen Grund zu bluten. Wenn bei Ihnen vor Jahren Hämorrhoiden festgestellt wurden, erklärt das eine neue Blutung nicht automatisch mit.
Deshalb gilt: Eine Blutung gehört untersucht – auch dann, wenn Sie Ihre Hämorrhoiden längst kennen. Die Untersuchung dauert wenige Minuten und bestätigt in aller Regel die harmlose Ursache. Genau das ist ihr Wert.
Was Sie selbst tun können
Der wirksamste Hebel liegt nicht in der Salbe, sondern auf der Toilette. Fast jede Behandlung beginnt hier – nicht, weil man Sie hinhalten möchte, sondern weil Pressen und harter Stuhl die Beschwerden antreiben.
Etwas, das selten gesagt wird: Ein Teil der Betroffenen mit gering ausgeprägtem Befund wird auch ganz ohne Behandlung wieder beschwerdefrei.
Stuhl weich halten. Ballaststoffreich essen, ausreichend trinken, sich bewegen. Weicher, geformter Stuhl ist die Grundlage jeder Behandlung – ohne ihn kommt jede andere Maßnahme an ihre Grenzen. Ballaststoffe binden Wasser; ohne genug Flüssigkeit wird der Stuhl davon fester statt weicher. Steigern Sie die Menge langsam, sonst kommt es zu Blähungen. Reicht die Ernährung allein nicht, können Quellstoffe wie Flohsamenschalen helfen – sprechen Sie das in der Sprechstunde an.
Nicht pressen. Pressen erhöht den Druck im Gefäßpolster. Gehen Sie zur Toilette, wenn Sie Stuhldrang haben – nicht vorsorglich und nicht nach der Uhr.
Sitzungszeit verkürzen. Kein Handy, keine Zeitung. Auf der Toilettenbrille hängt das Gewebe ohne Gegendruck nach unten, und je länger das dauert, desto mehr staut es sich. Wenn nach kurzer Zeit nichts kommt: aufstehen und später wiederkommen.
Die Sitzposition verändern. Ein kleiner Hocker unter den Füßen, sodass die Knie über Hüfthöhe kommen, den Oberkörper leicht nach vorn. In dieser Haltung entspannt sich der Muskel, der den Enddarm im Ruhezustand abknickt, und der Darm entleert sich mit weniger Druck. Zum Ausprobieren tut es auch ein umgedrehter Wäschekorb.
Ohne Hocker
Muskelschlinge gespannt, Enddarm abgeknickt
Mit Hocker
Muskelschlinge entspannt, Enddarm gestreckter
Sanft reinigen. Klares Wasser ohne Seife, danach mit weichem Papier oder einem Tuch vorsichtig trocken tupfen. Feuchte Tücher enthalten häufig Konservierungs- und Duftstoffe und lösen bei regelmäßiger Anwendung nicht selten Kontaktekzeme aus – die dann genau den Juckreiz machen, den sie eigentlich lindern sollten.
Salben und Zäpfchen richtig einordnen. Sie lindern Symptome und können in der akuten Phase sehr angenehm sein. Sie verkleinern die Hämorrhoiden aber nicht und gehören nicht in eine Daueranwendung. Präparate mit Kortison sollten nur zeitlich begrenzt und nach ärztlicher Anweisung angewendet werden, weil die Haut bei längerer Anwendung dünner und empfindlicher wird. Wie lange „zeitlich begrenzt“ ist, hängt vom Wirkstoff ab – fragen Sie danach, wenn es Ihnen niemand sagt, und lassen Sie sich die Anwendung zeigen.
Wann Sie nicht abwarten sollten
Suchen Sie zeitnah ärztliche Hilfe, wenn:
- die Blutung nicht aufhört, sehr stark ist oder sich über Wochen wiederholt
- Sie 40 Jahre oder älter sind und Blut bemerken – auch wenn Sie es für Hämorrhoiden halten
- starke Schmerzen mit einer prallen, harten Schwellung am After auftreten
- Fieber, Schüttelfrost oder eine schmerzhafte Verhärtung dazukommen
- sich Ihr Stuhlgang dauerhaft verändert – in Häufigkeit, Form oder Konsistenz
- Sie ungewollt Gewicht verlieren oder auffällig müde und blass sind
- in Ihrer Familie Darmkrebs vorgekommen ist und Sie eine Blutung bemerken
Nach einer Verödung oder Gummibandligatur gilt zusätzlich: Wenn die Schmerzen in den Tagen danach zunehmen statt abnehmen, Sie Fieber bekommen oder nicht mehr richtig Wasser lassen können, melden Sie sich sofort – auch nachts und am Wochenende. Das kommt selten vor, muss aber rasch abgeklärt werden.
Wenn Sie unsicher sind, ob es bis zum nächsten Werktag warten kann: Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist unter 116 117 rund um die Uhr erreichbar und sagt Ihnen, wie dringend es ist. Bei starken Schmerzen mit Fieber oder einer Blutung, die sich nicht stillen lässt, wählen Sie den Notruf 112.
Wie die Untersuchung abläuft
Für viele ist das die eigentliche Hürde – deshalb hier ohne Beschönigung, was passiert.
- Gespräch. Beschwerden, Dauer, wie das Blut aussieht, Stuhlgewohnheiten, Vorerkrankungen, Darmerkrankungen in der Familie. Zwei bis fünf Minuten.
- Inspektion. Betrachtung der Analregion. Meist liegen Sie dabei auf dem Rücken auf einem Untersuchungsstuhl, die Beine angewinkelt und abgestützt (Steinschnittlage). Manchmal wird auch in Seitenlage mit angezogenen Knien untersucht. Beides ist für die Untersuchung gleichwertig. Sie sind dabei nur so weit entkleidet wie nötig und in aller Regel abgedeckt.
- Tastuntersuchung. Mit Gleitmittel, wenige Sekunden. Unangenehm, aber in der Regel nicht schmerzhaft.
- Proktoskopie. Ein kurzes, fingerdickes Röhrchen, mit dem sich der Analkanal direkt einsehen lässt. Erst dabei lassen sich Hämorrhoiden tatsächlich beurteilen – von außen ist das nicht möglich. Dauert unter einer Minute und braucht keine Betäubung.
- Falls nötig: ein Blick weiter nach oben. Die Proktoskopie zeigt den Analkanal, nicht aber den Darm darüber. Je nach Befund – etwa bei einer Blutung – wird zusätzlich der untere Enddarm mit einem etwas längeren Rohr angesehen oder eine Darmspiegelung empfohlen.
Sie brauchen im Normalfall nichts vorzubereiten – kein Abführen, keine Diät, kein Nüchternsein. Ist eine weitergehende Untersuchung nötig, erfahren Sie vorher, ob und wie Sie sich darauf vorbereiten.
Liegt eine akute Entzündung oder ein schmerzhafter Einriss vor, wird die Untersuchung angepasst oder auf später verschoben. Sagen Sie es, wenn etwas zu stark schmerzt – das ist kein Abbruch, sondern eine Information.
Brauche ich eine Darmspiegelung?
Bei einer Blutung aus dem After wird ab etwa 40 Jahren in der Regel zusätzlich eine Darmspiegelung empfohlen. Unabhängig vom Alter gilt das, wenn Sie blutarm sind, sich Ihre Stuhlgewohnheiten verändert haben, die Blutung untypisch aussieht, Sie ungewollt Gewicht verlieren oder in Ihrer Familie Darmkrebs vorgekommen ist. Die Spiegelung dient nicht der Hämorrhoidendiagnose – die steht nach der Proktoskopie fest –, sondern dem Ausschluss einer zweiten Blutungsquelle weiter oben.
Nicht verwechseln mit der Vorsorge: Die Darmspiegelung zur Krebsfrüherkennung ohne Beschwerden steht gesetzlich Versicherten ab 50 Jahren zu. Bei einer Blutung geht es nicht um Vorsorge, sondern um die Abklärung eines Symptoms. Deshalb gilt hier die niedrigere Altersgrenze.
Wie behandelt wird
Die Behandlung richtet sich nach dem Befund und vor allem danach, was Sie tatsächlich beeinträchtigt. Sie verläuft in Stufen: Die Grundlage ist immer die Regulierung des Stuhlgangs. Reicht sie nicht, kommen Eingriffe ohne Schnitt infrage, zuletzt eine Operation.
Konservativ – die Grundlage in jeder Stufe
Stuhlregulierung, verändertes Toilettenverhalten, angepasste Hygiene, bei Bedarf zeitlich begrenzt Salben oder Zäpfchen.
Abwägung: Ohne Risiko, wirkt aber nicht sofort und nicht bei allen ausreichend. Sie ist keine Vorstufe, die man hinter sich lässt: Auch nach jedem Eingriff bleibt sie wichtig.
Eingriffe ohne Schnitt
Bei anhaltenden Beschwerden kommen Verfahren infrage, bei denen nichts herausgeschnitten wird. Sie sind wenig belastend, brauchen keine Vollnarkose und können teils wiederholt werden. Meist beginnt man mit dem schonenderen Verfahren und steigert erst, wenn es nicht ausreicht.
Verödung (Sklerosierung) – vor allem bei leichteren Formen und bei Blutungen.
Ein Mittel wird oberhalb der schmerzempfindlichen Zone in das Gewebe gespritzt. Dort entsteht eine Vernarbung, die das Polster an seinem Platz fixiert und stabilisiert. Die Injektion ist in der Regel schmerzfrei, weil es an dieser Stelle keine Schmerzfasern gibt.
Abwägung: Dauert wenige Minuten, braucht keine Betäubung und wird meist in mehreren Sitzungen wiederholt. Komplikationen sind seltener als bei Gummibandligatur und Operation. Die Verödung ist auch möglich, wenn Sie blutgerinnungshemmende Medikamente einnehmen. Die Beschwerden können im Verlauf wiederkehren; dann wird erneut behandelt.
Gummibandligatur – vor allem bei Grad 2.
Ein kleiner Gummiring wird über das vergrößerte Gewebe gesetzt. Das abgeschnürte Gewebe stirbt ab und fällt nach einigen Tagen ab. Die kleine Wunde, die dabei entsteht, zieht sich narbig zusammen und rafft das erschlaffte Gewebe nach oben. Dauert wenige Minuten, meist ohne Betäubung.
Abwägung: Pro Sitzung werden höchstens zwei Ringe gesetzt – mehr auf einmal erhöht das Risiko von Komplikationen. Ist eine weitere Sitzung nötig, folgt sie frühestens nach etwa vier Wochen; wann genau, hängt vom Befund und vom Verlauf ab. Druckgefühl und Schmerzen danach sind häufig. Eine Blutung kann verzögert auftreten, wenn der Ring abfällt – noch drei bis vier Wochen nach dem Eingriff. Planen Sie in dieser Zeit keine Reise ohne erreichbare ärztliche Versorgung. Nicht jedes blutgerinnungshemmende Medikament verträgt sich mit dem Eingriff; das wird vorher besprochen. Setzen Sie nichts eigenmächtig ab.
Operation
Bei fortgeschrittenem Befund oder wenn die Verfahren ohne Schnitt nicht ausreichen.
Ein häufiges Missverständnis: Auch Operationen werden heute in vielen Fällen ambulant durchgeführt. Ob Sie am selben Tag wieder nach Hause gehen, sagt also nichts darüber aus, wie groß der Eingriff war.
Entfernung des vergrößerten Gewebes (Hämorrhoidektomie). Das klassische, gut untersuchte Verfahren. Das Gewebe wird an einzelnen Stellen herausgeschnitten – in offener Technik nach Milligan-Morgan, in geschlossener Technik nach Ferguson oder unter der Analhaut nach Parks. Die drei Varianten gelten als gleichwertig.
Abwägung: Die Entfernung greift am gründlichsten und hat im Langzeitverlauf Vorteile gegenüber den Verfahren ohne Schnitt. Sie ist aber auch die belastendste Option: In den ersten Wochen sind die Beschwerden am stärksten, weil eine Wunde im empfindlichen Analbereich heilen muss. Die Wundheilung dauert vier bis acht Wochen, die Arbeitsunfähigkeit je nach Tätigkeit etwa eine bis vier Wochen.
Anheften des Gewebes mit einem Klammergerät (Stapler-Hämorrhoidopexie). Die Polster selbst werden nicht entfernt. Oberhalb davon wird mit einem Klammergerät ein ringförmiger Schleimhautstreifen herausgetrennt; dadurch werden die Polster nach oben gezogen und dort fixiert. Das kommt infrage, wenn der Vorfall ringförmig ist und sich vollständig zurückschieben lässt.
Abwägung: Weil der Eingriff oberhalb der schmerzempfindlichen Zone stattfindet, sind die Schmerzen in den ersten Tagen geringer; danach gleicht sich das an. Die Beschwerden kehren nach Jahren häufiger zurück als nach der Entfernung. Außerdem kann ein plötzlicher, schwer zu kontrollierender Stuhldrang auftreten. Bei Grad 4 wird das Verfahren nicht angewendet.
Bei ausgedehntem Befund mit Grad 4 kommen aufwendigere, gewebeerhaltende Verfahren zum Einsatz, teils in mehreren Schritten.
Mögliche Folgen einer Operation: Nachblutungen, vorübergehende Schwierigkeiten beim Wasserlassen und – seltener – eine Verengung des Analkanals. In den ersten Wochen berichtet ein erheblicher Teil der Operierten über eine schlechtere Feinabdichtung, etwa für Luft; dauerhaft bleibt das bei einem kleinen Teil bestehen. Diese Punkte gehören in jedes Aufklärungsgespräch – fragen Sie danach, wenn sie nicht angesprochen werden.
Laser, Radiofrequenz, Arterienunterbindung – der ehrliche Stand
Neben den etablierten Verfahren werden mehrere neuere angeboten:
- Verödung durch Hitze (Radiofrequenz). Über eine dünne Sonde wird Radiofrequenzenergie oberhalb der schmerzempfindlichen Zone in das Gewebe eingebracht. Das Gewebe verödet und zieht sich durch die Vernarbung zusammen. Der Eingriff erfolgt ambulant in örtlicher Betäubung.
- Laserbehandlung. Über einen kleinen Schnitt am Afterrand wird eine Lasersonde unter die Schleimhaut geschoben; das Gewebe wird durch Hitze von innen verödet.
- Unterbindung der zuführenden Gefäße, teils mit Raffung. Die Blutgefäße, die das Polster versorgen, werden umstochen, oft wird das Gewebe zusätzlich mit einer Naht gerafft. Es wird nichts entfernt.
Für Laser und Radiofrequenz konnte die deutsche Fachleitlinie (Stand 2019) keine Empfehlung aussprechen, weil die Datenlage nicht ausreichte. Von der ultraschallgesteuerten Gefäßunterbindung rät sie bei Grad 3 und 4 ab, weil die Beschwerden danach häufiger zurückkehren als nach einer Entfernung des Gewebes. Ob die Wirkung überhaupt auf der Unterbindung der Gefäße beruht oder eher auf der Raffung, ist umstritten.
Abwägung: Diese Verfahren verursachen in den ersten Wochen weniger Schmerzen – das bestätigen die vorliegenden Arbeiten. Für den längeren Verlauf sind die Ergebnisse uneinheitlich, teils mit mehr Rückfällen. Neuere Studien fallen teilweise günstiger aus; eine überarbeitete Leitlinie, die sie bewertet, steht noch aus. Bei der Radiofrequenzbehandlung ist zudem die Kostenübernahme nicht bei allen Krankenkassen selbstverständlich. Lassen Sie sich erklären, warum gerade dieses Verfahren für Ihren Befund vorgeschlagen wird und welche Alternative die bessere Datenlage hat.
Welches Verfahren passt
Das hängt vom Befund ab, von Ihren Beschwerden und von Begleitumständen wie einer Blutverdünnung. Schwere Komplikationen sind bei allen Verfahren möglich, gemessen an der Häufigkeit dieser Eingriffe aber sehr selten. Zu Rückfallraten und Erfolgsaussichten finden Sie hier bewusst keine Zahlen: Sie stammen aus Studien mit unterschiedlichen Patientengruppen und Messgrößen und lassen sich nicht sinnvoll auf den Einzelfall übertragen. Das gehört ins Gespräch vor der Behandlung.
Eine Operation ist bei Hämorrhoiden selten ein Notfall. Sie haben in der Regel Zeit, in Ruhe zu entscheiden – und Zeit für eine zweite Meinung, wenn Sie unsicher sind.
Häufige Fragen
Muss ich wirklich zur Untersuchung, wenn ich mir ziemlich sicher bin?
Ja. Nicht, weil Ihre Vermutung unwahrscheinlich wäre – sie ist sogar naheliegend. Sondern weil sich die häufige harmlose Ursache und die seltene ernste Ursache von außen nicht unterscheiden lassen. Die Untersuchung dauert wenige Minuten und nimmt Ihnen genau diese Unsicherheit ab.
Können Hämorrhoiden zu Darmkrebs werden?
Nein. Ein Hämorrhoidalleiden entwickelt sich nicht zu Krebs, und Menschen mit Hämorrhoiden haben nach den vorliegenden Untersuchungen kein höheres Darmkrebsrisiko als andere. Das Problem ist ein anderes: Beides kann bluten. Wird eine Blutung ungeprüft den Hämorrhoiden zugeschrieben, kann eine andere Ursache übersehen werden.
Gehen Hämorrhoiden von selbst weg?
Bei einem Teil der Betroffenen mit geringem Befund klingen die Beschwerden auch ohne Behandlung ab, besonders wenn Auslöser wie eine Phase mit hartem Stuhl wegfallen. Das vergrößerte Gewebe selbst bildet sich dabei meist nicht vollständig zurück. Beschwerdefreiheit ist trotzdem ein gutes Ergebnis – auch ohne dass alles verschwindet.
Muss ich eine Darmspiegelung machen?
Bei einer Blutung aus dem After ab etwa 40 Jahren wird sie in der Regel empfohlen, bei bestimmten Warnzeichen oder Darmkrebs in der Familie auch früher. Sie dient nicht der Hämorrhoidendiagnose, sondern dem Ausschluss einer zweiten Blutungsquelle weiter oben im Darm. Die Vorsorge-Darmspiegelung ab 50 ist davon unabhängig – sie gilt für Menschen ohne Beschwerden.
Bekomme ich Hämorrhoiden durch zu langes Sitzen?
Gesichert ist bei den Ursachen wenig. Langes Sitzen auf der Toilette und kräftiges Pressen gelten als ungünstig, weil sie den Druck im Gefäßpolster erhöhen. Für den Bürostuhl oder kalte Sitzflächen gibt es keinen Beleg; Bewegungsmangel wird als Faktor diskutiert.
Kann ich mit Hämorrhoiden Sport machen?
Ja. Bewegung fördert eine regelmäßige Verdauung und gehört zu den empfohlenen Allgemeinmaßnahmen. Ungünstig ist vor allem schweres Pressen mit angehaltenem Atem, etwa beim Krafttraining. Ob bestimmte Sportarten wie Radfahren das Leiden fördern, ist nicht geklärt.
Der nächste sinnvolle Schritt
Wenn Ihre Beschwerden neu sind, sich verändert haben oder Sie bluten, lassen Sie das ansehen. Bringen Sie mit, seit wann die Beschwerden bestehen, wie das Blut aussieht und wie Ihr Stuhlgang ist – diese drei Angaben bringen das Gespräch schneller voran als jede Beschreibung im Detail.
Bis dahin können Sie mit weichem Stuhlgang und kürzeren Toilettengängen bereits etwas verändern. Beides schadet in keinem Fall – auch dann nicht, wenn sich am Ende eine andere Ursache herausstellt.
Fachlich verantwortlich: Dr. med. Jonas Sperber, Facharzt für Viszeralchirurgie, Zusatzbezeichnung Spezielle Viszeralchirurgie
Erstellt: 09.09.2026 · Überarbeitet: 27.09.2026 · Letzte fachliche Prüfung: 25.09.2026 · Nächste Prüfung: spätestens 09/2028
Quellen:
S3-Leitlinie Hämorrhoidalleiden, AWMF-Registernummer 081-007, Stand 01.04.2019, gültig bis 31.03.2024 (abgelaufen); Aktualisierung angemeldet, geplante Fertigstellung laut AWMF-Register 03/2027 (abgerufen 25.09.2026). Kurzfassung: Joos AK, Jongen J. coloproctology 2021;43:381–404 ·
Schwandner O. Hämorrhoidalleiden und stadienabhängige Behandlung. Die Chirurgie 2025;96:709–720 ·
Kemper C, Fürst A. Hämorrhoidalleiden. In: Manual der Koloproktologie, Band 1. De Gruyter 2024 ·
Jacobi T. „Tailored approach“ in der Hämorrhoidalbehandlung. Gastroenterologie 2022;17:239–245 ·
Gemeinsamer Bundesausschuss: Richtlinie für organisierte Krebsfrüherkennungsprogramme, Änderung zur Darmkrebsfrüherkennung, in Kraft seit 01.04.2025
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